Kundgebung gegen AfD Auftritt in Hoppegarten

Hoppegarten ist nicht braun, sondern bunt! Volksverhetzer*innen die Stimme nehmen – Kein Raum der AfD

Kundgebung: 22.09.2022/18:15 Uhr/ Lindenallee 14, 15366 Hoppegarten

Während sich der AfD Kreisverband Märkisch-Oderland sowie dessen benachbarter Bezirksverband Berlin Marzahn/Hellersdorf in der Vergangenheit immer wieder in dem Restaurant “Mittelpunkt der Erde” trafen und auch hier extrem rechte Partei-Prominenz von Birgit Bessin über Bernd Höcke bis hin zu Stephan Brandner geladen waren, steht nun ein besonderes Highlight für die AfD an: Niemand geringeres als ALice Weidel, Parteivorsitzende und Bundestagsabgeordnete, wird am 22.09.2022 in dem Gemeindesaal Hoppegarten auftreten.
Was hier vermutlich ihr Ziel ist, lässt sich aus ihren Reden der vergangenen Wochen ableiten: Hetze gegen die Regierung, die bestehenden Sanktionen gegen Russland und die Legitimierung des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges auf die Ukraine, könnten hier neben dem üblichen menschenverachtenden Menschenbild Weidels und ihrer Partei auf der Tagesordnung stehen und verbreitet werden.
Wie bereits in der Vergangenheit, hält die AfD den Berliner Speckgürtel für einen Rückzugsort, um ihre menschenverachtende Ideologie zu streuen.
Lasst uns zeigen, dass dies nicht der Fall ist: Hoppegarten ist nicht braun sondern bunt- Volksverhetzer*innen die Stimme nehmen
Kein Raum, Kein Acker, Kein Gemeindesaal der AfD!

Rechte Kriegspropaganda stoppen! Kein Frieden mit der AfD!

Am Abend des 10.März 2022 traf sich die zu AfD in dem bereits als rechtem Treffpunkt bekannten „Mittelpunkt der Erde“ in Hönow, den kriegstreiberischen Ausführungen von Gunnar Lindemann, Lars Günther und Jürgen Elsässer unter dem Titel „Keine Waffen an die Ukraine! Neutralität Deutschlands!“ eine Plattform zu bieten. Angekündigt waren zudem weitere Überraschungsäste. Ob damit Birgit Bessin, stellvertretende Landesvorsitzende der AfD Brandenburg, oder der rechte Liedermacher und ehemalige NPD-Landeschef aus Berlin, Jörg Hähnel, gemeint waren, bleibt ungewiss. Unter den ca. 30 Veranstaltungsteilnehmenden waren meist ältere Männer in schlechtsitzender Kleidung, die das typische Bild des AfD-Wählers zumindest vom Style erfüllten.

Gunnar Lindemann zeigtden MIttelfinger gegen Protestierende vor dem Mittelpunkt der Erde

Gunnar Lindemann zeigt Freude über den Gegenprotest.

vier Männer vor dem Mittelpunkt der Erde

Der ehemalige Landesvorsitzende der Berliner NPD, Jörg Hähnel, mit drei Kameraden.

Die geringe Anzahl an Gästen zeigt eventuell auch die Ambivalenz der extremen Rechten, was die Positionierung in Bezug auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine angeht.

Auf der Gegenkundgebung, organisiert von „Kein Acker der AfD“ und ihrer Berliner Schwesternkampagne “Kein Raum der AfD“ fanden sich mehr als 60 Antifaschist*innen allen Alters ein, um lautstark gegen die AfD und den „Mittelpunkt der Erde“ zu demonstrieren. Die Redebeiträge von PostOst Migrantifa und der VVN-BdA Märkisch-Oderland thematisierten den Krieg in der Ukraine und das Entsetzen angesichts der faschistischen und autokratischen Mobilisierung. „Kein Acker der AfD“ ging darauf ein, dass Krieg und damit verbundene Sanktionen immer vor allem arme Menschen weltweit treffen und Reiche davon profitieren. Eine Redebeitrag der S5-Antifa Tarifbereich C beleuchtete das Compact-Magazin und die menschenverachtenden Inhalte der AfD. Hier zeigten Sie die enge Verbindung zwischen Jürgen Elsässer und Lars Günther sowie dem Compact-Magazin als „Schmierenblatt der AfD“ auf. Die Antifa Strausberg kritisierte die Trennung in „gute“ und „schlechte Geflüchtete“ und rief dazu auf, die Grenzen Deutschlands für alle zu öffnen, die vor Krieg, Krisen und Ausgrenzung fliehen. Gerade schwarze Geflüchtete aus der Ukraine, beispielsweise nigerianische Studierende, waren auf der Flucht massiven Rassismuserfahrungen ausgesetzt, weil sie nicht in das stereotype Bild weißer Europäer*innen passen.

Es gab positive Rückmeldungen von Nachbar*innen und den Aufruf, dass Restaurant „Mittelpunkt der Erde“ zu boykottieren, schlechte Bewertungen zu schreiben und ihnen klare Kante zu zeigen. Wer seine Türen und Räumlichkeiten für rechte Propaganda öffnet, muss mit lautstarken Reaktionen rechnen.

Kein Friede mit der AfD! Kein Bier für Faschisten!

Kein Raum der AfD! Kein Raum für rechte Kriegspropaganda!

Während in der Ukraine Menschen vor dem Krieg fliehen, in Russland Kriegsgegner*innen mit Repression überzogen werden und Neonazis zu ihren Waffen greifen, lädt die AfD zur Diskussion mit dem Chefredakteur des extrem rechten Compact-Magazins, Jürgen Elsässer. Dieser und der AfD-Landestagsabgeordnete Lars Günther kennen sich schon viele Jahre durch die selbsternannten “Friedensmahnwachen” 2014 in Berlin. Unterstützt werden die beiden in der Diskussion vom Berliner AfD-Abgeordneten Gunnar Lindemann aus Marzahn, der auf Sozialen Medien keinen Hehl aus seiner Putinliebe macht. Durchgeführt wird das ganze im Lieblingslokal der Rechten – während es überall schwer ist für die AfD, Räume für ihre Hetze zu finden, sprachen im Restaurant “Mittelpunkt der Erde” schon der Faschist Björn Höcke und der rechte Publizist Götz Kubitschek. Als “Dankeschön” für die Unterstützung im Bundestagswahlkampf lud die stellvertretende Vorsitzende Birgit Bessin 2021 zum Rechtsrockkonzert mit Sacha Korn hierher ein. Als Anhänger des extrem rechten Flügels ist es kaum verwunderlich, dass die AfD Brandenburg als auch die AfD Marzahn-Hellersdorf einen Hang zu autoritären Führern haben und von einem Konflikt zwischen Russland und der Ukraine sprechen, anstatt es als das zu benennen, was es ist – ein Angriffskrieg durch Putin. 
Wir sind solidarisch mit all jenen, die aufgrund von Krieg und Vertreibung aus ihren Heimatländern flüchten müssen – in der Ukraine, Syrien, Afghanistan oder anderswo. Unsere Herzen sind bei denjenigen, die weltweit gegen Krieg und Faschismus kämpfen. Unsere Gedanken sind bei den zahlreichen Toten von Krieg und Verfolgung. Wir stehen gegen eine Spaltung in “gute” und “schlechte” Geflüchtete und stellen uns antislawischen Vorurteilen entgegen! Wir sind fassungslos und wütend ob der Instrumentalisierung von Kriegsgeschehen für rechte Propaganda-Veranstaltungen!
Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass die AfD und ihre Positionen nicht unkommentiert bleiben. Kommt mit uns auf die Straße – lautstark und mit Abstand. Für den Frieden, gegen die AfD!
Donnerstag, 10.03. ab 17.45 Uhr
gegenüber dem Restaurant “Mittelpunkt der Erde”
Mahlsdorfer Straße 2
U5 Hönow / M6 Risaer Straße

Birgit Bessin – unterschätzte rechte Projektmanagerin

Dieser Beitrag war als Redebeitrag für die Gegenproteste zum abgesagten Landesparteitag der Brandenburger AfD geplant. Da wir es trotzdem wichtig finden, ein Schlaglicht auf Birgit Bessin zu werfen, wird er an dieser Stelle veröffentlicht.

Viele Artikel lassen sich finden über den rechten Netzwerker Lars Günther, den Faschisten Andreas Kalbitz oder den vermeintlichen rechten Biedermann Christoph Berndt. Wenig jedoch über Birgit Bessin, die treue Anhängerin des völkischen Flügels, die beim Landesparteitag der AfD für den Landesvorsitz kandidiert. Bisher ist sie stellvertretende Landesvorsitzende und stellvertretende Fraktionsvorisitzende im Brandenburger Landtag. Im Sommer war Bessin überall dort zu finden, wo die AfD Infostände, Aktionen oder Kundgebungen angemeldet hatte – häufig in moderierender oder organisierender Rolle.

Der Frauenanteil unter den Parteimitgliedern der AfD liegt bei 13%. Bessin ist zusätzlich eine der wenigen Frauen in den oberen Rängen der Brandenburger AfD. Immer wieder tritt sie gemeinsam mit der Vorsitzenden der Jungen Alternative, Anna Leisten, gemeinsam auf. Dass Frauen sich gegenseitig hochziehen und unterstützen, sieht man in der AfD eher selten. Und dass die anwesenden Frauen häufig in ihrer sozialen und organisatorischen Funktion häufig unterschätzt werden, zeigt die noch immer vorherrschende doppelte Unsichtbarkeit rechter Frauen. Damit ist zum einen gemeint, dass Frauen häufig als friedfertiger wahrgenommen werden und somit weniger einer rechten Szene zugeordnet, und dass ihre Aktivitäten innerhalb rechter Gruppen häufig übersehen werden.

Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass diese Unsichtbarkeit bei Bessin nicht verschleiert, mit was für einer Person wir es zu tun haben: Einer knallharte rechte Netzwerkerin, die innerhalb des völkischen Flügels und darüber hinaus gut vernetzt ist und erst garnicht versucht, der AfD einen biederen Anstrich zu geben.

Birgit Bessin vor dem Eingang des MIttelpunkt der Erde in Hönow

Birgit Bessin vor dem Eingang des Restaurants Mittelpunkt der Erde in Hönow.

Bessin ist bereits seit 2013 Mitglied der AfD und hat somit schon viele Veränderungen, Abspaltungen und Radikalisierungsprozesse der AfD überstanden. 2015 war sie Erstunterzeichnerin der Erfurter Resolution und so Gründungsmitglied des aufgelösten völkischen „Flügels“ der Partei. Immer wieder ist bei von Bessin organisierten Veranstaltungen auch der aus der AfD ausgeschlossene Andreas Kalbitz anzutreffen. Maßgeblich hat Bessin am ersten Novemberwochenende ein Rechtsrockkonzert im Hönower Restaurant „Mittelpunkt der Erde“ veranstaltet. Für die geladenen WahlkampfhelferInnen spielte Sacha Korn, welcher bereits mit der Neonaziband Kategorie C auftrat und dessen Lieder sich 2011 auf der Schulhof-CD der NPD wiederfanden. Bessin hat keinerlei Berührungsängste nach ganz weit rechts aussen, sondern fühlt sich am rechten Rand mehr als wohl.

Birgit Bessin sitzt vor dem neuen Logo mit "Motor für Brandenburg"

Birgit Bessin im Livestream bei der Vorstellung ihrer Kampagne.

Mit ihrer Bewerbung auf den Landesvorsitz wird die faschistische Bezugnahme inhaltlich und ästhetisch noch sichtbarer. Die Kampagne „MOTOR FÜR BRANDENBURG“ ziert ein Zahnrad mit zwei Kolben und den Worten „Kraftvoll – zuverlässig – leistungsstark“. Wirkt dieses Motto auf den ersten Blick wie ein abgeklatschtes FDP-Zitat, so lässt die Ästhetik doch Böses ahnen: Das Zahnrad war im Nationalsozialismus das Symbol der größten NS-Massenorganisation, der Deutschen Arbeitsfront (DAF). Auch die neonazistische Kleinstpartei III.Weg bedient sich einem Zahnrad mit Hammer und Schwert als Logo. Eine Ähnlichkeit ist hier sicher nicht zufällig gewählt, sondern zeigt das Fischen nach Zustimmung in extrem rechten Strukturen.

Es bleibt dabei: Die AfD ist keine normale Partei. Normalität mit der AfD bedeutet Rassismus und Abschottung an den deutschen und europäischen Grenzen. Normalität mit der AfD bedeutet in einer weltweiten Pandemie ohne Maske weiterhin Impfverweigerer zu verteidigen und Tote in Kauf zu nehmen. Normalität mit der AfD heißt, dem Faschismus die Tür auf zu halten.

Wir setzen dem etwas entgegen: Solidarität, Feminismus, Antirassismus. Unter dem Hashtag #helfenistnormal sind grad viele Hilfsorganisationen und Freiwilllige in Polen und Deutschland unterwegs, um Geflüchteten zu helfen, die zum Spielball internationaler Politik geworden sind. Lasst uns zeigen, welche Normalität wir wollen: ohne Rechtsrockkonzerte, ohne Politikerinnen wie Birgit Bessin und ohne die AfD!

Kein Marktplatz der AfD in Eberswalde!

Am 22.August 2021 folgten 500 Personen  dem Aufruf des Unteilbar-Bündnis aus Eberswalde, sich der AfD auf dem Marktplatz lautstark entgegen zu stellen. Im Rahmen des diesjährigen Wahlkampfes versucht die AfD mit sogenannten öffentlichen “Sommerfesten”, ihre rechte Propaganda öffentlich zu verbreiten.

Lars Günther auf dem AfD Sommerfest in Eberswalde, Foto: Recherchenetzwerk Berlin

Neben Birgit Bessin, die die Veranstaltung moderierte, sprach Hannes Gnauck, der Direktkandidat der AfD für den Wahlkreis Barnim-Uckermark. Der Oberfeldwebel der Bundeswehr, der aufgrund eines disziplinarrechtlichen Verfahrens  seit dem vergangenen Jahr vom Dienst  freigestellt ist, wird selbst vom Militärischen Abschirmdienst (MAD) als Rechtsextremist eingestuft. Zusätzlich als Redner waren Alexander Gauland und der Faschist Bernd (selbsternannter Björn) Höcke alias Landolf Ladig auf der Bühne der AfD zu sehen.

Florian Jachnow beim Posieren mit der JA (2. v.l.)

Florian Jachnow beim Posieren mit der JA (2. v.l.). Foto: Recherchenetzwerk Berlin

Aufgrund des lautstarken Gegenprotestes mit Musik, Trillerpfeifen und anderen Utensilien waren sie glücklicherweise nur eingeschränkt zu hören. Aus Märkisch-Oderland waren der AfD Direktkandidat Lars Günther ebenso anwesend wie der Strausberger Rainer Thiel. Gemeinsam mit der jungen Alternative war außerdem Florian Jachnow aus Wriezen vertreten.

Bei dem vielfältigen Gegenprotest wurde immer wieder stark gemacht, dass die AfD keine Alternative zu eine lebenswerten und solidarischen Gesellschaft bieten kann. In Redebeiträgen wurde auf die schlechten Bedingungen für geflüchtete Menschen im Landkreis ebenso hingewiesen wie auf die Situation in Afghanistan und an die Internationale Solidarität  und für eine Luftbrücke appelliert.

Kein Marktplatz der AfD in Wriezen!

Am 16.Juni 2021 versammelten sich erstmalig seit dem Beginn der regelmäßigen AfD-Kundgebungen auf dem Wriezener Markplatz 50 Gegendemonstrant_innen, um der AfD laut und gut gelaunt  etwas  entgegen  zu setzen.

Andreas Kalbitz in Wriezen.burg.

Anlass war die Anwesenheit von Andreas Kalbitz. Der ehemalige AfD-Politiker und gemeinsam mit Björn Höcke Mitbegründer des extrem rechten „Flügels“ sprach neben Matthias Schmidt, dem Ortsvorsitzenden der AfD Wriezen. Außerdem am Mikrofon war Hannes Gnauck, Kandidat für den Bundestag der völkischen „Jungen Alternative“ (JA) Brandenburg.Auch anwesend war Florian Jachnow, der aus Wriezen stammende JA Botschafter in Märkisch Oderland, sowie der Besitzer des Gasthauses „Zur Jope“ aus Bad Freienwalde. Dieser wirbt auf Facebook damit, dass seine Kneipe „Nur für Deutsche“ sei und gratuliert am 20.April zum Führergeburtstag. Neben den AfD-Vertretern versammelte sich eine Mischung aus rechten Wähler_innen und erkennbaren Neonazis aus dem Marktplatz, die immer wieder bedrohlich in Richtung der Gegenproteste gestikulierten.

Der kurzfristig organisierte Gegenprotest versammelte Menschen unterschiedlichen Alters und verschiedener Partei-  und  Vereinszugehörigkeiten.

Ein Schild vom Gegenprotest

“Bunt statt Braun” beim Gegenprotest

Lautstark, mit Trillerpfeifen, Musik und Sprechchören wurde die AfD begleitet. Neben Menschen aus dem gesamten Landkreis schlossen sich viele Personen aus Wriezen dem Protest an, denen die wöchentlichen Kundgebungen der AfD schon länger ein Dorn im Auge ist.

Gemeinsam wurde Position bezogen und gezeigt, dass auch Wriezen ein Ort ist, wo Menschen sich gegen Rassismus und Menschenverachtung engagieren.

 

Gegen den Landesparteitag der AfD in Frankfurt

Am kommenden Wochenende, den 20. und 21. März findet der Landesparteitag der Brandenburger AfD in Frankfurt statt. Wir finden: dat jeht ja jar nicht!

Wir zeigen klare Kanten gegen rechts und mobilisieren nach Frankfurt (Oder). Das Bündnis “Kein Ort für Nazis – Frankfurt (Oder)” organisiert den Gegenprotest vor Ort. Haltet die Ohren und Augen offen und kommt am Wochenende mit nach Frankfurt.

Ab um 9 Uhr wird es eine Kundgebung vor der Brandenburghalle gegen die Partei geben. Schließt euch dieser an, tragt Maske und haltet Abstand. Wir bringen Schilder und Transpis mit und freuen uns, wenn ihr vorbei kommt, um sie mit uns zu halten.

PS: Jede*r nur eine Forke.

Kein Acker der AfD – auch nicht in Rüdersdorf

Am 22.Januar kam es erneut zu einer rechten Kundgebung in Märkisch-Oderland. Auf dem Parkplatz des Kulturhaus Rüdersdorf fand eine schlecht beleuchtete Kundgebung des Brandenburger Landesverbandes der AfD unter dem Titel „Lockdown-Irrsinn beenden! Freiheit für Land und Bürger“. Diese ursprünglich für eine Durchführung in Oranienburg im Overhavelland geplante Veranstaltung wurde dort aufgrund der hohen Inzidenz in der anhaltenden Corona-Pandemie untersagt.

Birgit Bessin und Andreas Kalbitz (rechts) mit Mitgliedern der JA hinter einem Transparent des KV MOL

Neben Birgit Bessin, der Anmelderin und stellvertretenden Landesvorsitzenden der AfD, sprachen u.a. Kathi Muxel(MdL), Steffen Kotré (MdB) sowie Anna Leisten von der Jungen Alternative (JA) Brandenburg. Die Junge Alternative war mit ca. 10 Personen mit drei Fahnen und einheitlichen Mund-Nasen-Bedeckungen mit dem JA-Logo vertreten. Ebenso waren Mitglieder des AfD Ortsverbandes Wriezen vor Ort, die seit November 2020 wöchentlich einen Schweigemarsch mit knapp 20 Teilnehmenden in Wriezen organisieren. Entgegen des sonst kaum wahrnehmbaren und ohne Transparente ausgerüsteten Schweigemarsches hielten die Wriezener in Rüdersdorf Transparente der AfD Märkisch-Oderland empor.

Kreativer Protest…

Immer wieder musste die anwesende Polizei über die Veranstalterin darauf hinweisen lassen, dass der Abstand von 1,50 Meter zwischen den Kundgebungsteilnehmenden einzuhalten sowie ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen sei. So sah man unter den ca. 60 Teilnehmenden mehrere Personen ohne Mund-Nasen-Schutz, mit MNS unter der Nase oder aber nur mit dünnen Schals vor dem Gesicht. Birgit Bessin glänzte durch Abwesenheit eines MNS während der gesamten Veranstaltung. Mit Handschlag wurde der aufgrund seiner Neonazi-Vergangenheit aus der AfD ausgeschlossene ehemalige Vorsitzende der Brandenburger AfD, Andreas Kalbitz, neben der Bühne von den Anwesenden begrüßt und hofiert. Auch hier wieder ist ein Abwenden vom völkischen Flügel nur ein strategisches Lippenbekenntnis.

…mit Abstand und Mund-Nasen-Bedeckung.

Trotz kurzfristiger Mobilisierung beteiligten sich 150 Personen an der Gegenkundgebung, welche durch die lokale Links-Partei organisiert war. Gemeinsam mit „Kein Acker der AfD“ wurde eine Menschenkette mit farbigen Abstandsbändern, Kerzen und Masken auf den Zugangswegen zur AfD-Kundgebung geformt. Roya Sobhani, Pressesprecherin des antifaschistischen Bündnis „Kein Acker der AfD“: „Wir möchten nicht, dass die AfD denkt, inmitten einer weltweiten Pandemie ungestört Kundgebungen abhalten zu können. Wo die AfD in Märkisch-Oderland und anderswo auftaucht, werden auch wir sein und protestieren.“

Strausberger AfD-Stadtverordnete ruft zum Aufstand auf

Rainer Thiel ist Fraktionsvorsitzender der AfD in Strrausberg und Kreistagsabgeordneter in Märkisch-Oderland – und befördert mit seinen Facebook-Posts rechte Umsturzpläne. Dem Jahreswechsel im Lock-Down sieht er frohlockend entgegen: „Bis dahin braut sich einiges zusammen warten wir es ab, wenn dann knallt es richtig“ (sic). Hiermit sind keine Böller und Raketen gemeint, sondern ein „Volksaufstand“. Damit spielt er auch auf die rechten und von Corona-Leugner*innen wie “Querdenken” geplanten Demonstrationspläne an Silvester in Berlin an, die aufgrund des aktuellen Shut-Down verboten worden sind, und doch weiterhin mobilisieren. Rainer Thiel war auch bei der bundesweiten Großdemonstration am 29.08.20 in Berlin, als von Coronaleugner*innen und Neonazis versucht wurde, das Reichstagsgebäude zu stürmen.

Thiels Auftreten in den Sozialen Medien ist geprägt durch eine abstruse Mischung auf rechter Propaganda, Urlaubserlebnissen und übergriffigem Verhalten. Mehrfach belästigte er bei Facebook junge Frauen* mit sexualisierten Postings. Zusätzlich betreut er die Facebook-Seite des AfD-Ortsverband Strausberg i.G., welche jedoch hinter dem aggressiven Massenpostings anderer AfD-Seiten zurückbleibt und eher wie ein unregelmäßig erscheinender Newsletter wirkt.

Auf seiner Facebookseite schwadroniert der AfD-Lokalpolitiker mit einigen seiner virtuellen FreundInnen über den Umsturz in der Bundesrepublik. Dass rechte Netzwerke den Sturz der Regierung planen oder sich auf den Tag X vorbereiten ist nichts Neues. Erst in der letzten Woche wurden ein großes Waffenarsenal in Österreich beschlagnahmt, mit dem eine rechte Miliz in Deutschland aufgebaut werden sollte – so der Verdacht. „Fordern Politiker*innen, die auf Basis demokratischer Wahlen in ihr Amt gekommen sind, ihre Anhänger*innen öffentlich zum Umsturz auf, werden auch weiterhin Waffenfunde, die „Entdeckung“ rechte Netzwerke und Morde durch Rechtsextremisten an der Tagesordnung stehen. Politiker der AfD sind – wie eh und je – geistige Brandstifter. Gerade in den ostdeutschen Bundesländern zeigt sich hier der Einfluss des völkischen Flügels.“ so Roya Toulany, Pressesprecherin des antifaschistischen Bündnis “Kein Acker der AfD”. „Wenn sich Mitglieder der AfD immer noch fragen, warum sie in Brandenburg als rechtsextrem eingestuft werden, können wir nur empfehlen, einen Blick auf die Kommunikationskanäle der KommunalpolitikerInnen zu werfen.“

Erneuter Protest vor “Mittelpunkt der Erde”

Am 7.Oktober fand erneut eine rechte Veranstaltung, diesmal mit Erik Lehnert und Götz Kubitschek vom Institut für Staatspolitik (IfS) in dem Restaurant „Mittelpunkt der Erde“ in Hönow statt. Eingeladen wurde durch den AfD Kreisverband Marzahn-Hellersdorf in Kooperation mit der Jungen Alternative Berlin, da diese aufgrund erfolgreicher antifaschistischer Proteste nicht in der Lage sind, Räumlichkeiten in Berlin zu finden. In der Veranstaltung, die ein Ersatz für eine im März geplante war, ging es um den Schriftsteller Ernst Jünger, der durch seine antidemokratische Schriften zur sogenannten Konservativen Revolution bekannt wurde und mit seiner Ideologie dem Nationalsozialismus dem Weg ebnete. Aus diesem Grund wird Jünger von der selbsternannten Neuen Rechten gefeiert. Gegenüber demonstrierten ca. 70 Antifaschist_innen, darunter der VVN-BdA Märkisch Oderland und die Kampagnen „Kein Raum der AfD“ sowie deren Schwesterkampagne „Kein Acker der AfD“ gegen die Veranstaltung. Redebeiträge thematisierten dabei unter anderem den bisherigen Erfolg der Kampagne „Kein Raum der AfD“ , die Position Lehnerts und Kubitschek in neurechten Netzwerken und rassistische Strukturen in der vermeintlichen Mitte der Gesellschaft.

Überraschenderweise wurde der Veranstaltungsort auf AfD- Flyern offen beworben – die AfD und so auch das Restaurant „Zum Mittelpunkt der Erde“ machen anscheinend keinen Hehl mehr aus ihrem Raummangel. Neben zu erwartenden Gesichtern der Veranstalter der AfD Marzahn-Hellersdorf wie Gunnar Lindemann, Daniel Birkefeld und Jeanette Auricht war aus Märkisch-Oderland der rechte Netzwerker Lars Günther (mehr Infos hier: https://inforiot.de/lars-guenther-rechter-netzwerker-verschwoerungstheoretiker/) vertreten. Von der Jungen Alternative Berlin war Vadim Derksen auch durch das Abfilmen der Gegendemonstration präsent.Trotz der im Vergleich zur vorherigen Veranstaltung mit Björn Höcke niedrigen Teilnehmendenzahl von knap 30 Gästen war mit Carlo Clemens der Landessprecher der Jungen Alternative NRW zugegen. Hier zeigt sich einmal mehr die enge Verbindung zwischen selbsternannter Neuer Rechter und der AfD und ihrer Jugendorganisation.

Unterstützung erhielt die antifaschistische Gegenkundgebung von Anwohner_innen. Viele Nachbar_innen zeigren sich sichtlich erfreut über den Gegenprotest und gaben an, dass es eine Schande sei, welche Veranstaltungen in unmittelbarer Umgebung stattfinden.

Wir bleiben dabei: Wir wissen, wer ihr seid und wo ihr euch trefft, und machen eure rechten Locations dicht. Kein Acker, kein Hof, kein Raum der AfD!